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  • AutorenbildAchim

Mein erstes selbstgebautes Jagd- und Outdoor-Messer.

. . . wenn Männer emotional werden!


Beim Messerbaukurs vom Schmiedeglut und Grevenhain baute ich unter professioneller Anleitung mein Traum-Messer.

Die Fähigkeiten meines Jagd- und Expeditions-Messers hatte ich im Vorfeld entwickelt.

Der Kurs dauerte zwei Tage und ich habe diesen von Freunden als Gutschein geschenkt bekommen. Er wurde regulär bezahlt, ist also keine bezahlte Werbung für Schmiedeglut.

Es ist die Messerschmiede, wo auch die YouTube-Survival-Experten Kai Sackmann und Survival Mattin Ihr Messer fertigen lassen.


Mein Outdoor-Messer mit etwas Panina
Mein selbst entworfenes Jagd- und Outdoor-Messer mit etwas Patina

Entwurf meines Messers

Im Vorfeld des Kurses hatte ich mir ausgiebig Gedanken über die Eigenschaften des Messers gemacht.

Ein Messer soll möglichst vieles abdecken, da ich unterwegs auf Trekkingtour oder Expedition eben nur dieses eine dabei haben werde.


Hier meine Anforderungsliste:

  • Brot, Vesper, schmieren (Form der Klingenspitze einigermaßen rund, nicht zu spitz)

  • Kerbe, um Töpfe am Henkel aus der Feuerstelle nehmen zu können.

  • Nicht zu schwer, also kein Kukri.

  • Geeignet zum Holz spalten. (FullTang)

  • Breiter Stahl circa 4 mm

  • Geeignet zum Wild aufbrechen. (Spitze mit Finger sicher abdeckbar)

  • Geeignet zum Wild zerlegen. (runde Klingenspitze)

  • Schnitthaltig und ausreichend scharf. 20° Schnittwinkel

  • Optisch auffällig, um es nicht zu übersehen (gelb, orange)

  • Scharfkantiger Rücken für Feuerstahl

  • Karbonstahl (Funkenschlag)

  • Öse für Fangschnur, um es nicht zu verlieren.

  • Rutschfester Griff bei Nässe

  • Jimpings (Riffelung) an Spitze und am Rücken, um auch im Dunkeln einen sicheren Griff zu spüren und nicht abzurutschen.

  • Hammer am Griffende für robuste Schlagarbeiten (Nägel einschlagen, Nieten nachschlagen o. ä.)

  • Mittelgroße Schnitzarbeiten (Verbindungen, Spitzen u. ä.)

  • Wirkungsvoller Rutsch-Schutz für die Finger.


Alles unter einen Hut zu bekommen, wird Kompromisse mit sich bringen.

Im zweiten Abschnitt des Kurses konnte jeder der acht Teilnehmer seine Vorstellungen einbringen und sein Messer auf einem Stück Papier skizzieren.

In der kritischen Besprechung wurde die Machbarkeit erörtert.


Der Kursleiter zeichnete auf den Stahlrohling dann die geplante, grobe Kontur des Messers.


Hinweis: Die meisten Fotos wurden mit dem Smartphone gemacht, weshalb die Qualität nicht so gut ist.


Erste Bearbeitungsschritte

Unter persönlicher Schutzausrüstung, welche aus Baumwollkleidung, Schutzbrille, Lederhandschuhe, Gehörschutz und FFP3-Maske bestand, ging es zu flexen oder auch trennen.

Die Kontur des Messerrohlings wurde mittels Trennscheibe von jeden Teilnehmer selbst grob ausgearbeitet. Den Entwurf meines Messers siehst Du auf den Fotos.


Von nun an hat jeder Bearbeitungsschritt ein echt großes Potenzial, das Projekt bereits am Anfang scheitern zu lassen. Denn ein kurzes, unkonzentriertes oder ungeschicktes abrutschen mit dem Trennschleifer, der Bandsäge oder Bohrer hätte weitreichende Veränderungen und Materialverlust zur Folge


Anschließend ging es in den Schleifraum. An verschiedenen Bandschleifern arbeiteten wir die Kontur der Klinge exakt auf Linie aus.


Nach der Abnahme durch den Kursleiter - jeder musste mehrfach nacharbeiten - wurde uns nachgiebig erklärt wie die Klinge grob zu schleifen sei.

Ich muss sagen, dass dies ohne viel Erfahrung und Gefühl für den Bandschleifer erhebliches Vernichtungs-Potenzial für das werdende Messer hat.


Obwohl ich aus meiner Tischlerlehre von vor über 20 Jahren Erfahrung diesen Maschinen habe, arbeitete ich sehr langsam und in kleinen Schritten, mein Ergebnis war weit weg von perfekt. Aber es war gut. Immerhin!


Das größte Problem war die ständig beschlagende UVEX Schutzbrille für Brillenträger, welche die exakte Sicht auf den Rohling deutlich erschwerte. Auch den richtigen Winkel zu finden, war aus diesem Grund sehr schwer.

Denn im ersten Schritt schliffen wir eine 45° Phase an die Klinge, bei welcher ein 1 mm breiter Steg exakt mittig stehen bleiben soll. Dies wird dann die Schneide und ist wohl wichtig für das spätere Härten. Wer dies nicht schafft, verliert die Höhe der Klinge, da diese dann so weit runtergeschliffen werden muss, bis der 1 mm Steg wieder möglich ist.


Ich habe es geschafft zwischen 1 und 1,5 mm zu bleiben, wen auch etwas wellig.


Diese 45°-Phase nutzten wir nun, um am laufenden Band anzulegen und den Klingenwinkel zu schleifen. Wenn man es richtig macht, bleibt der 1 mm Steg nun geschützt von der 45°-Phase stehen.

Eine echt tricky Angelegenheit, vor allem beim ersten Mal. Denn Zeit und Material zum Üben hatten wir in diesem doch kurzen, zweitägigen Kurs nicht.


Auch diesen Teil bewältigte ich gut und ohne große Fehler, auch wenn die eine Seite meines Messers nicht gleichmäßig flach geschliffen war.

Aber ich versaute die 45°-Phase zumindest nicht und alles andere war brauchbar mittig.

Den finalen, schönen Flachschliff der Klinge machte der Kursleiter dann bei den Messern aller Teilnehmer.


Der erste Teil Kurses war übrigens die Sicherheitsbelehrung mit schriftlicher Dokumentation und Einwilligung.

Hier beschlossen wir auch in der Gruppe, dass wir den Schwerpunkt auf ein hochwertiges Endprodukt legen und nicht auf das Ausschmieden des Messerrohlings.


Das Ausschmieden, das Rohlings mittels Hammer hätte zu einem Qualitätsverlust des Stahls geführt. Allerdings hätte dies mehr Erfahrung für uns Laien gebracht.


Das Schmieden am Ofen haben wir dann in der Wartezeit des Härtens gemacht. Das Messer haben wir dann am Bandschleifer und von Hand sehr viel exakter und Stahl schonender durchgeführen können.



Im nun fünften Bearbeitungsschritt wurden die Löcher für die Pins und die Fangöse gebohrt. An meinem Messer feilte ich außerdem die Mulde für den Topfhenkel und die beiden Jimpings (feine Sägezahnung) an der Spitze und vor der Griffschale auf dem Rücken. Ein andererer Teilnehmer brachte noch den Vorschlag der Schleifkerbe ein, welche ich dann ebenfalls feilte.


Die Zeit verfliegt und es wurde Zeit zum Härten.

Bei 840 Grad im Hochofen wurde die Rohlinge 30 Minuten erhitzt und dann im Ölbad abgeschreckt.

Auch diesen Schritt machen wir Teilnehmer selbst und der ein oder andere blieb mit dem hellrot glühendem Rohling am Ofenrand hängen und verzog sich dabei sein Messer.

Der Kursleiter richtete diese nach dem Ölbad auf dem Schraubstock.


Während der Zeit des Glühens hatten wir wie vereinbart die Gelegenheit an der Esse auf nutzlosem Stahl herumzuhämmern und verschiedene Dinge auszuprobieren.

Es ist doch sehr anstrengend und die meisten gaben schnell auf. Mein Fazit zum Schmieden: üben, üben, üben …


Nach dem Härten wurden die Klingen in einem weiteren Ofen "normalisiert", oder wie ich es mal gelernt hatte "angelassen".

Während dieses Zeitraumes suchen wir uns aus verschiedenen Materialien, Farben usw. die Rohlinge für die Griffschalen aus.

Neben den im Kurspreis inklusiven Hölzer gab es Kunststoffe (Micarta), stabilisierte und gefärbte Hölzer oder auch selbst mitgebrachtes Material wie z. B. Knochen vom Wild.


Ich entschied mich zwischen einem dunkelorangem Micarta und einer gelb gefärbten, geriegelten und stabilisierter Pappel für letztere.

Diese wurden mit der Bandsäge halbiert und dann plan geschliffen. Leider kann ich bei dieser kein Rockfinish machen. Das hätte die Rutschfestigkeit nochmlas erhöht.



Der Zweite Tag

Der letzte Tag dieses Kurses begann gegen 9 Uhr. Ich übernachtete in meinem VW Bus auf dem Firmenparkplatz in dem beschaulichen Ort Grevenhain. Sogar Strom per Kabel durfte ich mir aus der Werkstatt an den Bus legen, so brauchte ich nicht meinem Aggregat zu bemühen.


Nach dem Polieren der noch stumpfen Klingen wurden die rohen Griffschalen gebohrt und. Auch hier kann man wieder viel falsch machen, da die Bohrer gerne verstopfen und es dabei zu unvorhergesehenem kommen kann.

Glücklicherweise habe ich mit Standbohrmaschinen viel Erfahrung, zumal diese auch fest eingerichtet, eingestellt und die Bohrfutter anfängertauglich eingestellt waren. Die Ungeübten mussten doch so einige male die klemmenden Bohrer aus Ihrer Griffschale rausdrehen.


Anschließend wurden die Messer und Griffschalen gründlich entfettet und mit 2k Epoxidharz geklebt. Während der 30 Minuten Aushärtungszeit mussten die Stücke in der Hand gehalten und das bereits geschliffene obere und ggf. untere Ende der Schalen von austretendem Harz gereinigt werden. Nur ich sollte wegen der vielen Pins und der Öse das Messer in Schraubzwingen einspannen.


Die Pins wurden auch mit eingeklebt, ebenso meine Öse. Einige Teilnehmer hatten sich spezieller Pins ausgesucht, teilweise mehrere Hölzer für die Schalen verwendet, was natürlich optische Hingucker sind. Für mein Jagdmesser war dies nicht notwendig.


Nach dem Trocknen des Klebers ging es an die Bandschleifer, um die Griffschalen zuerst in der Messerkontur auszuarbeiten.

Im zweiten Schritt, um grob die Griffform auszuschleifen. Der Kursleiter ließ uns die Wahl dies selbst zu machen oder durch ihn.

Ich hätte es gerne selbst ausgearbeitet, aber nur, wenn ich hätte vorher an anderen Stücken üben dürfen. Ohne diese Vorübungen war mir das Risiko zu groß. So überließ ich diesen Schritt auch dem Leiter.


Hier hätte ich mir diese Möglichkeit gewünscht, kann es aber bei einem ausgebuchten Kurs und der Kürze der Zeit auch nachvollziehen, dass dies nicht geht. Will einer, wollen alle.


Doch es gab noch genug Arbeit. Denn nun begann das langwierige, manuelle schleifen der Griffe auf unsere gewünschte Passform. Angefangen bei 60er-Körnung mussten alle tiefen Schleifrillen raus, dann auf 150er und abschließend auf 400er-Schleifpapier eine sehr langwierige Arbeit.


Hat man nur einen tieferen Kratzer übersehen, fällt das beim nächsten Schritt enorm auf und oft muss man dann wieder zurück auf das gröbere Schleifband. Hat man ordentlich gearbeitet, so sieht nach dem maschinellen Polieren auch alles perfekt aus.


Im vorletzten Schritt werden die Messer jetzt vom Kursleiter maschinell geschärft. Das geht schnell und ist perfekt. Mein Outdoormesser wurde auf 16° geschärft.


Der letzte Schritt ist jetzt das Reinigen des Messers mit Aceton und das abschließende einölen mit Waffenöl. Eine Transporthülle gibt es von Schmiedegut mit hinzu.


Die letzten 45 Minuten dieses Kurses werden mit der Pflegeempfehlung und einer Schärfanleitung verbracht. Auch hier konnte ich noch einiges hinzulernen.


Wir erfuhren, dass dieser Stahl bei falscher Lagerung rosten kann. Bei richtiger Lagerung und Pflege bekommt der Stahl eine schöne Patina, welche diesen auch etwas schützt.


Verwendeter Stahl:

Stahl 1.2235 Klingenstahl (80CrV2) zunderfrei : C:0,8%/Si:0,3%/Mn:0,5%/Cr:0,5%/V:0,15%
  • DER Stahl für robuste Jagdmesser, Bushcraft, Outdoormesser

  • Sehr robust, aber dennoch sehr (!) schnitthaltig auch bei Schockbelastungen (z.B. Holz hacken)

  • Farbe im Damast: grau

  • Härte von ca. 61 HRC

  • Relativ unkompliziert zu bearbeiten

  • Empfohlen für robuste Messer und scharfe Schwerter Quelle der Daten und des Stahls: https://www.schmiedeglut.de/klingenstahl-messer-schwerter-12235


Resümee:

Ein toller Kurs, in welchem ich viel lernen durfte und ein tolles, individuelles Messer bauen konnte.

Den Preis von 250 € pro Tag halte ich für gerechtfertigt, da – Sonderwünsche ausgenommen – alle Materialien inklusive sind und der Maschinenaufwand doch auch erheblich ist. Man kann meist parallel mit anderen Teilnehmern arbeiten und hat selten Wartezeiten, selbst im ausgebuchtem Kurs.


Einige Bearbeitungsschritte wurden zwingend oder freiwillig vom Kursleiter gemacht. Für mich nachvollziehbar. Entweder unter Sicherheitsaspekten (Maschinenscheine notwendig) oder aus Zeitgründen eben nicht anders integrierbar.

Insbesondere das Polieren und das Ausschleifen des Griffes hätte ich gerne selbst geübt, bevor ich es dann auch selbst mache. Allerdings müsste der Kurs dann sicher einen Tag länger sein und entsprechend teurer.

Zum maschinellem Schärfen hatten wir keinen Zugang und ich hatte den Eindruck, dass dies auch nicht gewünscht war. Vielleicht ein Betriebsgeheimnis?


In der Werkstatt ist genug Platz um sich frei zu bewegen ohne sich anzurempeln. Kaffee und andere Getränke gibt es gegen eine Spende, sofern man nicht eigenes dabei hat.


Das Mittagessen vom Caterer war sehr lecker und im Preis inklusive. Es gab ein vollwertiges Essen mit Geflügel bzw. Hackbraten.

Auch die sanitären Einrichtungen, Essens-Raum im Foyer war alles hervorragend.


Wir hatten die Wahl zwischen dem Schwerpunkt schmieden oder detailreichem Messerbau. Wir haben uns für das hochwertige Messer entschieden. Vielleicht wäre es eine Idee, einen Kurs als »Messerbaukurs« und einen anderen als »Messerschmiedekurs« anzubieten. Denn einige Teilnehmer, so hatte ich den Eindruck, hätten lieber geschmiedet.

Mir war es recht so, wie es war.


Ende



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